(25.09.2017) Seit 2015 fordert finep in der Kampagne „Make Fruit Fair!" zusammen mit vielen Partnerorganisationnen aus Europa, Afrika und Lateinamerika bessere Arbeitsbedingungen beim Anbau von und einen Fairen Handel mit tropischem Obst. Dieser Einsatz trägt erste Früchte: Nach zwei Jahren können wir einige Verbesserungen feststellen, wenn auch immer noch viel zu tun bleibt.

 

Im Mai 2016 deckte die Oxfam-Studie „Süße Früchte, bittere Wahrheit" gravierende Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte auf Zulieferer-Betrieben von Lidl in Costa Rica und Ecuador auf: Der Einsatz von giftigen Pestiziden, Einkommen unter der Armutsgrenze, Diskriminierung von GewerkschaftsmitgliederInnen und Umweltverschmutzung. Mit diesen Missständen konfrontierten wir den Supermarktgiganten Lidl durch verschiedene Aktionen in den sozialen Medien und vor seinen Filialen. In Europa ist er der größte Abnehmer von Bananen und Ananas - und trägt damit Verantwortung für Mensch und Umwelt in den Anbauländern dieser Früchte. Zudem haben wir weitere Supermarktketten und Zulieferer, wie  Aldi und Fyffes, sowie die Siegelorganisation Rainforest Alliance in die Verantwortung genommen.

 

Und das mit einigem Erfolg: Es gibt erste Verbesserungen auf den betroffenen Plantagen. Bei Lidls Ananasplantage Finca Once in Costa Rica sind die meisten ArbeiterInnen nun direkt angestellt, verdienen den Mindestlohn und sind sozialversichert. Dort werden nur noch selten Pestizide versprüht während ArbeiterInnen auf dem Feld sind. Außerdem hat die Regierung im Juni 2017 den Einsatz des in der EU nicht zugelassenen und  hochgiftigen Bromacil verboten. Aufgrund von staatlich verordneten Betriebsprüfungen konnten zudem auf vielen Ananas- und Bananenplantagen im Land die Arbeitsbedingungen von über 10.000 ArbeiterInnen verbessert werden.  Auch beim ecuadorianischen Lidl-Zulieferer Matías tragen die ArbeiteInnen jetzt angemessene Schutzkleidung und sind dem Pestizideinsatz nicht mehr unmittelbar ausgeliefert.
Schließlich hat Rainforest Alliance nach der Veröffentlichung der Oxfam-Studie vielen zertifizierten Plantagen das Siegel entzogen, nachdem dort andauernde Menschenrechtsverletzungen und die systematische Unterdrückung von Gewerkschaftsrechten festgestellt wurden. Zuletzt betraf das den Großlieferanten Grupo Acon in Costa Rica, der unter anderem Aldi beliefert.

Es bleibt jedoch viel zu tun: Denn selbst der beim Lidl-Zulieferer in Costa Rica gezahlte Mindestlohn ermöglicht kaum ein menschwürdiges Leben. Und eine echte Verbesserung ist es nur, wenn nicht nur weniger giftige sondern keinerlei Chemikalien in Anwesenheit von ArbeiterInnen versprüht werden. Schließlich werden weiterhin auch auf zahlreichen anderen Plantagen Arbeits- und Menschenrechte mit Füßen getreten und der Umwelt geschadet.

Weitere Informationen sowie Ideen, wie Sie sich für faire Früchte einsetzen können, gibt es hier.